30 Jahre Blaskapelle Unterföhring

Was gehört aus traditioneller Sicht zu einem typisch bayerischen Dorf? Auf jeden Fall die Kirche, das Wirtshaus – und die Blaskapelle. Vor allem für die Mitglieder des Männergesangvereins war spätestens Ende der 80er Jahre die Notwendigkeit einer eigenen Unterföhringer Blaskapelle klar, um in der wachsenden Gemeinde Unterföhring mit ihren vielfältigen Anlässen und Feiern für eine feierliche und traditionelle musikalische Umrahmung sorgen zu können. Insbesondere betraf das Aufgaben, die ein Männergesangverein nicht leisten kann, und für die bisher Kapellen aus den umliegenden Orten engagiert werden mussten.

Deshalb traten im Jahr 1989 einige Chormitglieder unter Federführung ihres Dirigenten Rainer Wiedemann mit dem Wunsch um Unterstützung an die Gemeindeverwaltung heran. Mit Bürgermeister Klaus Läßing wurde ein großer Befürworter gefunden und der Gemeinderat beschloss mehrheitlich, die Gründung der Blaskapelle zu fördern. Die Proben fanden in den verschiedensten Räumen der Gemeindeverwaltung statt, mit Heinz Gruber wurde ein erfahrener Ausbilder und Leiter gefunden, die ersten Instrumente konnten geliehen werden. Die Mitglieder der Blaskapelle dankten es mit ersten Auftritten am Kriegerdenkmal oder beim Christkindlmarkt.

Obwohl die Gründung aus dem Männergesangverein heraus und mit dessen organisatorischer Hilfe erfolgte, war von Anfang an klar, die Blaskapelle völlig unabhängig vom MGV aufzustellen. Inzwischen hat sich die Blaskapelle so erfolgreich entwickelt, dass sie mit ihrem Erfolg in der Nachwuchsarbeit inzwischen sogar als Vorbild des MGV gelten kann. Eine Jugend- oder Nachwuchsgruppe ist beim Männergesangverein zwar denkbar, aber schwer umzusetzen. Vielleicht finden aber Väter jugendlicher Musikerinnen und Musiker ihren Weg zum MGV.

Beim ersten Konzert der Blaskapelle 1992 in der alten Gemeindehalle hat jedenfalls auch der Männergesangverein mitgewirkt. Die „Montagsmusi“, die 1996 innerhalb der Blaskapelle als kleine Volksmusikbesetzung gebildet wurde, ist unverzichtbarer Bestandteil des „Unterföhringer Advents“ des MGV.

Seit 1997 teilen sich beide Vereine familiär den Musikvereinskeller an der Rückseite der Volksschule. Termine werden gegenseitig abgesprochen. Die gegenseitige Unterstützung, nicht nur in organisatorischen und formalen Angelegenheiten, ist zwischen den beiden Vorsitzenden Johanna Schweikl und Franz Solfrank selbstverständlich. Auch Fahrten in die Partnergemeinden Kamsdorf und Tarcento finden oft gemeinsam statt. Noch nicht lange her, aber schon legendär ist das Jahreskonzert der Blaskapelle im Jahr 2016 mit dem gemeinsam vorgetragenen „Non nobis domine“ aus dem Film „Heinrich V“. Es ist heute schon fast zum Markenzeichen des MGV geworden, wenn es darum geht, bei kirchlichen und besinnlichen Anlässen ein feierliches Stück frei vorzutragen. Man könnte es für MGV und Blaskapelle so interpretieren: „Nicht einem Verein allein, sondern dem gemeinsamen musikalischen Ziel gilt alle Anerkennung.“

Franz Solfrank

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